Oktober 2012 - Emails unterwegs

Manchmal ist es wünschenswert, auch unterwegs auf Emails zugreifen zu können.
Vielleicht bin ich gerade auf dem Weg, um mein neuestes ebay-Schnäppchen beim Verkäufer persönlich abzuholen. In der Bestätigungsmail des Auktionshauses standen die Kontaktdaten und ich habe von meinem Festnetztelefon aus zwecks Terminabsprache angerufen. Jetzt stehe ich hier und bin sicher, die Adresse ist irgendwo im Umkreis von 200m, aber mir will partout die Hausnummer nicht mehr einfallen. 58? 85? oder 65? Je mehr ich grüble, desto unsicherer werde ich. Die Adresse hätte ich mir abschreiben sollen oder gar ausdrucken. Wenn ich jetzt doch nochmal nachschauen könnte ...

Anderer Tag, gleich beginnt die Vorstandssitzung des Fördervereins, aber mir schwant dunkel, dass der Termin um eine halbe Stunde verschoben wurde. Nach vorne oder nach hinten? Mensch, das waren aber auch viele Mails, die da in den letzten beiden Tagen hin- und hergeschickt wurden...

Zugegeben, die beiden Beispiele sind arg konstruiert. Mir geht es aber vor allem um zwei Punkte, die mir immer wieder begegnen: Zum einen läuft die Kommunikation zu Terminen, Kontakten oder Adressen sehr häufig über elektronische Kanäle wie Email oder Instant Messeging. Zum anderen ertappt sich mancher selbst immer wieder dabei, dass einmal verschriftlichte Daten nicht neu notiert werden, sie sind ja "da". Gerade der Medienbruch, also der Wechsel von zum Beispiel elektronischen Daten auf der einen zu handschriftlichen Notizen auf der anderen Seite, fällt besonders älteren Nutzern mitunter schwer.
Anders ist das natürlich beim Telefonat, bei dem oft der Termin auf einem Zettel oder direkt im (vielleicht auch elektronischen) Kalender notiert wird. Solange ich dieses "Schriftstück" dann nicht vergesse, bin ich auf der sicheren Seite.

Gerade im Bereich von Emails gibt es aber ein paar interessante Möglichkeiten, die ich hier kurz vorstellen möchte. Voraussetzung ist natürlich immer, dass ich ein entsprechendes elektronisches Gerät, wie z.B. einen Tablet-PC, ein Smartphone oder einen Laptop dabei habe.

1. IMAP - Noch vor wenigen Jahren war es üblich, dass Emails mit einem Emailprogramm vom Server des Providers heruntergeladen wurde. Dabei wurden die Emails beim Provider gelöscht, was diesem den teuren Speicherplatz sparte. Das hierfür genutzte Protokoll POP3 dürfte bei vielen verwendet werden, die schon länger Emails nutzen. Es wird bei der Einrichtung des Emailprogramms eingetragen und normalerweise wieder vergessen. Mittlerweile wird aber auch das IMAP-Protokoll von vielen kostenlosen Providern angeboten. Dabei bleiben die Emails auf dessen Rechnern und es wird nur die jeweils angesehene Email temporär geladen. Wenn ich von verschiedenen Rechnern auf ein IMAP-Konto schaue, sehe ich die gleichen Emails, bei einem POP3-Konto sehe ich dagegen (in der Regel) nur die Mails, die seit meinem letzten Besuch aufgelaufen sind, denn die anderen habe ich ja bereits heruntergeladen und auf dem Server somit gelöscht.

2. HTTP-Ansicht - Bei den gängigen Providern kann ich mir die Emails auch ansehen, indem ich mich über die Webseite in mein Konto einlogge. Im Prinzip entspricht das einem IMAP-Konto, nur dass ich kein eigenes Email-Programm für die Interaktion benutze sondern den Browser. Seit der Speicherplatz für die Anbieter sehr günstig ist, besteht aus deren Sicht ein hohes Interesse, Emails der Nutzer möglichst lange auf den eigenen Servern gespeichert zu haben. Aus den enthaltenen Texten werden Marketing- und Nutzerdaten gewonnen, die für viel Geld verkauft werden können. Selbst bei datenschutzkonformer Anonymisierung sind die erhobenen Statistiken zu verwendeten Schlagwörtern bares Geld wert.

3. Portables - Emailprogramme wie z.B. Thunderbird (siehe auch Tipp des Monats Juli 2012) müssen nicht zwingend installiert werden. Es gibt sie auch als sogenannte "Portables" (dazu mehr im Dezember-Tipp), also als Programme, die ohne Installation und so beispielsweise von einem USB-Stick aus laufen. Ich kann mit meinem "Thunderbird Portable" alle Mails per POP3 vom Server des Providers herunterladen und sie gleichzeitig und automatisch dort löschen. Das funktioniert auch unterwegs, soweit ich einen PC mit Internetzugang zur Verfügung habe. Für das Lesen brauche ich dann, anders als bei den ersten beiden Punkten, nicht mal mehr den Internetzugang, denn die Mails sind ja auf dem Stick gespeichert.

4. Natürlich geht der Trend dahin, sein eigenes Handy zur Kommunikationszentrale mit Emails, Kalender, Instant Messeging, Twitter und Zugang zu allen sozialen Netzen auszubauen. Hier hat man alles zusammen und spart sich die Überlegungen zu den anderen drei Punkten. Das wirft dann wiederum Fragen des Datenschutzes und der Datenvernetzung auf (die übrigens Teil des Doppel-Vortrags "Street View, Scoring und Co." sind), die uns hier aber zu weit von unserem Thema weg führen würden.

Welchen Weg man wählt - und das hier war nur ein kleiner Abriss der Möglichkeiten - liegt weniger an technischen Möglichkeiten als viel mehr an Vorlieben und Gewohnheiten. Alles hat Vor- und Nachteile und erfahrungsgemäß bedeutet eine Zunahme an Komfort gleichzeitig eine Abnahme an Sicherheit, die man möglicherweise anders wieder ausgleichen sollte.